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Martina  Biesenbach
Lochnerstr. 9
50674 Köln
Deutschland


Phone:  49 (0) 221 / 2403635
Email:   atelierplanb@aol.com
Web:     www.biesenbach.kulturserver-nrw.de      

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Martina Biesenbach -  Projekt

Äpay, oder „der Himmel ist ein Warenhaus“

Der wahre Grund, warum niemand mehr sein Geld in die Geschäfte tragen will, liegt
meines Erachtens weniger im vorausschauenden, vorsichtigem Sparverhalten der Bürger,
vielmehr hat keiner mehr Lust, sich von übellaunigen Verkäufern aus dem Laden ekeln zu
lassen. Es wird nämlich nicht nur die Ware gekauft, vielmehr sind eine ganze Reihe
zwischenmenschlicher Bedürfnisse und Sehnsüchte an den Akt des Kaufens geknüpft.
Das Heer der Dienstleistenden sieht sich mit einer großen Bedürftigkeit der Konsumenten
konfrontiert, die sich durch das konsumieren und kaufen der Waren allein nicht mehr
befriedigen lässt. Diese Bedürftigkeit der Menschen kann sich nur der Luxuriös orientierte,
selbständig arbeitende Geschäftsmensch zunutze machen.
Die Mehrzahl der Leute ist auf die großen Warenhausketten angewiesen und hat es
zunehmend mit überforderten, ihrerseits bedürftigen Angestellten zu tun.
Da bietet es sich geradezu an, sich zur großen Familie der Ebayer zu begeben. Hier ist
zu jeder Tages und Nachtzeit alles, was das Konsumentenherz begehrt, zu haben und mit
ein wenig Glück sogar für kleines Geld ein schönes Stück Ware zu ergattern.
Im System ist ein Bewertungsportal geschaltet, indem man die Erfahrungen mit dem jeweiligen Käufer/Verkäufer öffentlich kundtut. Die Bewertungsinstanz gibt dem System einerseits die
Möglichkeit, sich gegenseitig kleine Inseln des Glücks zu schenken, andererseits in nicht
unerheblichem Maß zu sanktionieren, und im Prinzip des öffentlichen an den
„Pranger Stellens“, Macht auszuüben.
Weiter lässt sich hier ein materialistisches Weltbild beobachten, das der Soziologe
H. Fromm als das Weltbild des totalen Konsumenten charakterisiert hat, nach dem Motto,
der Himmel ist ein Warenhaus, in dem jeder Mensch jeden Tag etwas neues kaufen kann
alles was er will und immer ein bisschen mehr..........

Es lassen sich eine Menge Bedürfnisse in dieses System packen. Es gibt den Einsamen
die Möglichkeit zu kommunizieren und ein Gefühl des „eingebunden“ sein.
Die Spieler können spielen und die Ängstlichen brauchen die Wohnung nicht mehr zu verlassen,
es kommt alles per Post.
Die freundlichen Bewertungen sind Balsam für die wunde Seele, Es macht Spaß ein
Schnäppchen zu machen, zu zocken.. Das die Gebote teilweise über den Ladenpreisen
liegen, wird im Eifer des Gefechtes nicht weiter beachtet.

Ich habe für Äpay (meiner Insel des Glücks) eine große Menge Holzscheite mit den
4 Grundfarben bemalt, die auch im Schriftzug von Ebay benutzt werden.
Das Holz ist so bearbeitet worden, wie es als Haufen auf dem Boden geschichtet war.
Ich habe die Scheite beim Malen mit dem Pinsel immer bewegt, sodas überall Farbe
auf das Holz gelangen konnte. Durch diese Vorgehensweise wird aus jedem Stück
Holz der Teil eines neuen Zusammenhangs.
Auf jedem der Holzstücke ist eine Bewertung geschrieben.
Die Bewertungen sind zum Teil aus dem Bewertungssystem von Ebay genommen.
Z.B. Alles Bestens, sehr zu empfehlen, Weiter so!!!!! Note 1 Lob usw.
Zwischendurch sind die Sprüche völlig unangemessen und überschießend wie Herzensgute
Überweisung oder herrlicher Geldtransfer etc. Dann wieder verlieren die Bewertungen den
Bezug zur Sache und führen ein Eigenleben, gehen ganz weg vom Geschäftlichen. Und
nehmen rein persönlichen Charakter an.
Dazu steht ein Monitor, ein Film zeigt in Endlosschleife loderndes Kaminfeuer. Jeder kann
sich eine „Insel des Glücks“ mitnehmen. Auf diese Weise wird das Glück überallhin verteilt
und kann nicht mehr als ganzes geraubt werden.

 

 

 



Biesenbach
 -  Projekt  -  Fotos



Äpay, Der Himmel ist ein Warenhaus,  Martina Biesenbach

 


video, endlosschleife,   Martina Biesenbach

 

 


Foto: Jürgen Dehninger, Leverkusen